Freitag der 15.

Es war der 15. März 1985. Michail Gorbatschow ist seit wenigen Tagen Vorsitzender der KPdSU und startet den „Wind of Change“. Das Wetter in Deutschland ist gruselig. Schneeregen fast in der ganzen Republik.

An diesem Tag wird auch im Internet Geschichte geschrieben. Eine Firma in den USA registriert die erste Internetseite mit der Endung .com. Das Internet war damals noch ein kleiner Verbund mit vorwiegend militärischen und wissenschaftlichen Nutzern. Die wenigen Webseiten endeten alle auf .gov(ernment) .edu(cation) .,mil(itary) oder auf .net(work), wie nordu.net, die allererste registrierte Domain überhaupt.

Eine dotcom Domain – das com steht für commercial – gab es jedoch noch nicht. Bis zu diesem nasskalten Tag zumindest. Es war Freitag und eine Computerfirma aus Cambridge, Massachusetts namens Symbolics registrierte die erste kommerzielle Webseite der Welt. Bis Ende 1985 folgten lediglich fünf weitere Firmen dieser Idee. Erst 1986 kamen heute noch bekannte Namen wie Xerox, HP (Hewlett-Packard), IBM oder Intel dazu. Aktuell gibt es schätzungsweise über 350 Millionen registrierte Domains. Eine Liste der ersten einhundert .com Adressen findet man übrigens beim Original … also auf symbolics.com.

Später folgten Länderdomains wie .de für Deutschland, .it für Italien oder .es für Spanien. Das erlaubte auch so manch spaßigen Namen im Netz. Wer zum Beispiel wissen will, ob eine bestimmte Serie bei Netflix, Apple TV oder Amazon Video läuft, der kann das auf werstreamt.es prüfen. Auch ich selbst habe zwei Domains, die man unter Wortspiel subsummieren kann. Da ich mich um eine sichere IT kümmere, kam mir die italienische Domain sichere.it ziemlich gelegen. Und alter-schwe.de habe ich registriert, damit mein Bruder eine passende E-Mail-Adresse hat, weil das sein Spitzname ist.

Heute gibt es dutzende weitere Top-Level-Domains (TLD) die einem zum Teil auch gleich verraten, was uns auf der entsprechenden Webseite erwartet. .tv zum Beispiel, .email oder .sex um nur einige zu nennen. In diesen Tagen hat Google eine weitere TLD in die Vermarktung gegeben und der Ansturm ist gigantisch. Webseiten sind jetzt unter einer .zip Adresse erreichbar. Das ist deshalb saublöd, weil auf .zip typischerweise Dateien mit komprimierten Daten enden. Insbesondere für Laien ist es daher unheimlich schwer zu erkennen, ob ein Link jetzt auf ein legitimes Update, eine Webseite oder auf eine Datei (mit Schadcode) verweist. Und dass die ersten Cyberkriminellen diese Möglichkeit schon erkannt haben, merkt man daran, dass bereits in den ersten Tagen Domains registriert wurden, bei deren Namen man eher auf eine Datei als auf eine Webseite schließen würde, wie update_v1.zip zum Beispiel.

Die TLD .zip ist meines Erachtens eine saudumme Idee. Es wäre besser, .zip hätte es als Domainendung nie gegeben. So wie .cor für „corporation“, also „Firma“. Das war ursprünglich für Unternehmen gedacht – und nicht .com. Vielleicht hätte es sich Symbolics dann überlegt, weil .cor sich so nach Korrektur anhört, also irgendwas mit Fehler. Dann hätte der 15.März 1985 nicht mit dem Internet zu tun und wäre nur deshalb in die Geschichte eingegangen, weil Modern Talking damals mit „You’re my heart, you’re my soul“ auf Platz 1 der Charts in Deutschland war.

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