Fittneswahn

Als ich letztens eine Email von Google Earth erhielt, in der man mich bat, doch bitte aus dem Bild zu gehen, war mir klar, dass es Zeit ist für eine Diät. Zum Glück boomen gerade Fitness Apps, die mir dabei helfen können, ein paar Kilos zu verlieren. Es gibt Smartphone-Apps, die mir Joggingpfade vorgeben und tracken, Apps mit Muskelübungen für Bi-, Tri- und Quadrizeps sowie Apps, die mich unterstützen, Kalorien zu zählen.

Dazu finden sich dann noch diverse Helferlein wie Armbänder die meine Pulsfrequenz samt Blutdruck messen und sogar Turnschuhe, die die Anzahl meiner Schritte per Bluetooth an mein Smartphone melden. Das ganze ist ein Multimillionen Dollar Markt. Die großen Player auf der Welt mischen alle mit. Sony, Apple, Samsung, Nike, Adidas und wie sie alle heißen. Mit „The Dash“ kommt Ende 2014 der erste Kopfhörer auf den Markt, der neben der Schrittfrequenz auch die Körpertemperatur, die Herzfrequenz sowie die Sauerstoffsättigung des Blutes an das Smartphone übermittelt. Und weil jeder die ganze Kohle für sich haben will, kocht jeder sein eigenes kalorienarmes Süppchen. Standards fehlen und so sind die wenigsten Gimmicks untereinander kompatibel. Schade eigentlich.

Kaum habe ich mich mit allem nur erdenklichen Schnickschnack ausgestattet und meinen Dispo voll ausgereizt, lese ich voller Entsetzen, dass ich total gegen den Trend liege. Denn: In der Bundeswehr sollen jetzt die Fitnessstandards herabgesetzt werden! Herab wohlgemerkt, nicht rauf! Was ist denn jetzt los? Wofür habe ich mir denn das ganze Zeugs besorgt, wenn Fitness nicht mal mehr bei denen notwendig ist, die bei 45°C mit 60kg im Rucksack am Hindukusch unser Land verteidigen müssen?

Was soll nur werden, wenn der Fettwebel keine Kampf- sondern Mampfpause befiehlt? Wenn die Gefreiten nicht mehr dem Bundesadler salutieren sondern Brathähnchen sautieren? Stellen Sie sich vor, die Sea Shepherd kommt und zieht deutsche Kampfschwimmer vom Strand wieder ins Meer – in der irrigen Annahme eine Gruppe Finnwale zu retten. Wie peinlich ist das denn? Aber ich kann mich leider nicht um alles kümmern. Außerdem habe ich jetzt erst einmal Hunger. Guten Appetit!

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