Viele kleine Helferlein

Beim Crowdfunding geht es darum, viele Menschen zu finden, die an eine Idee glauben, und sie mit einem kleinen Geldbetrag unterstützen. Nun habe ich von einer neuen Idee gehört, die ähnlich wie Crowdfunding funktioniert. Nur nicht weltweit, sondern in der Nachbarschaft. Und es geht auch nicht um Geld, es geht um Hilfe und um Essen. Eine Person braucht Hilfe, viele Menschen aus der Nachbarschaft können mit einem kleinen Beitrag helfen. Bei MealTrain kann man ein Inserat schalten, wenn man in Not geraten oder aktuell nicht so richtig einsatzfähig ist. Wer zum Beispiel nach einer OP Schwierigkeiten mit dem Kochen hat, ist ein möglicher Kandidat für MealTrain. Auf der Plattform können sich dann Menschen aus der Nachbarschaft melden, die den Notleidenden mit einer heißen Mahlzeit versorgen oder den Einkauf zu erledigen. Viele Nachbarn helfen mit kleinen Gesten.

Das ist doch mal wieder eine geniale Idee, wenn … ja, wenn da nicht so Vollidioten wie Jim Burns wären. Der Amerikaner wird bald Vater und dachte sich, dass sich diese „Notsituation“ für MealTrain eignet. Sicherlich kann ein Neugeborenes schon mal die Nerven strapazieren – gerade beim ersten Kind. Aber anstatt sich zu freuen, wenn ein Nachbar zu viel gekochte Spaghetti vorbeibringt, verlangt Jim … wie soll ich sagen … Menüs.

Jim hat in seiner MealTrain-Anzeige extra eine Liste erstellt, was er und seine Frau gerne essen. „Geröstete Wraps mit Süßkartoffeln und karamelisierten Zwiebeln auf Pesto“, „Geschmorte Lamm-Fleischbällchen mit Ouzo“ oder „Möhren-Kürbis-Eintopf mit Quinoa“.

Aber bitte nicht einfach so nach Gusto kochen. Nein! Ein Link zum passenden Rezept a la chefkoch.de ist immer dabei, an das Sie sich halten sollten. Und falls sie gedacht haben, die Unverfrorenheit von Jim sei nicht zu überbieten, warten Sie mal ab. Damit man ihn und seine Frau Alex nicht stört, dürfen Sie das gekochte Mahl gerne in einer Kühlbox im Vorgarten abstellen und sich dann vom Acker machen. Ach ja, und bitte nur Bio-Zutaten verwenden.

Falls Sie keinen Bock haben, für so eine arrogante Bande zu kochen, keine Sorge: Sofern Sie nett per SMS anfragen, dürfen Sie auch gerne Staubsaugen, den Abwasch machen oder mit dem Hund Gassi gehen, schreibt Jim in seiner Anzeige. Die ist übrigens mittlerweile gelöscht. Das Paar wurde nämlich von vielen Menschen mit gar nicht so kleinen Beschimpfungen überschüttet. Nicht nur aus der Nachbarschaft übrigens.

4 Kommentare zu “Viele kleine Helferlein

  1. Nun ja, Egozentriker und Schmarotzer an der Gesellschaft gibt´s halt überall. Aus diesem Grund finde ich (Hilfs)börsen besser, die ausschließlich nach dem Gegenseitigkeitsprinzip arbeiten. Wer eine Leistung anfordert, verpflichtet sich gleichzeitig, selbst eine Leistung für die Gegenseite oder ein beliebiges anderes Mitglied Gemeinschaft zu erbringen. Noch besser ist, wenn derjenige der Leistung anfordert, zuerst selbst eine Leistung erbringen muss, die dann z.B. in einem fiktiven Guthabenkonto gespeichert wird. So kann man z.B. für den Fall vorsorgen, wenn man selbst Leistungen benötigt.

  2. Bei uns in der Nachbarschaft machen wir so etwas mit der Folgeversion von Meal Train & Co.:
    Wir reden einfach mit den Nachbarn (sogenannte „Gespräche“) und mit unseren Freunden (echte Freunde, nicht virtuelle).
    Klappt super.
    Bei den „richtig guten Freunden“ im Notfall auch nachts um drei…

    • Der direkte Gesprächskontakt ist unbestritten die beste Wahl. Es gibt aber auch Situationen in denen die bekannten Gesprächspartner aus welchen Gründen auch immer, nicht die Richtigen sind. Dann sind diese „Börsen“ sicher eine gute Ergänzung.

  3. Das Lustige mit dem Guthabenkonto ist, dass es eigentlich einen Gesellschaftsvertrag darstellt.
    Ich tue etwas für dich, wenn du für mich (oder den rest der Gemeinschaft) xyz machst… eine Hand wäscht die andere.
    Das ist die älteste Form des „Tauschhandels“ und wurde von Urvölkern schon vor Jahrtausenden so praktiziert. – Nur dass das „Guthabenkonto“ eben nicht digital oder per Strichliste geführt wurde sondern eher den Charakter von Ansehen und Wahrnehmung hatte.
    Prof. Franz Hörmann aus Österreich propagiert genau so ein System des Guthabens als neues Modell zur Ablösung des Geldsystems (Infomoney).
    Warum muss jeder positiven Buchung eien Negative gegenüberstehen? – Genau dieser Buchhalterische Knoten (Dass jegliches Guthaben im aktuellen System als Schuld besteht) soll auf so eine Art gelöst werden… gebt jedem Menschen von Geburt an ein Konto auf dem er für jede Leistung die er erbringt etwas gutgeschrieben bekommt, sozusagen einen Gutschein vom Rest der Gesellschaft, wieder eine Leistung zu erhalten – und schon ist der ganze Mumpitz mit Schuldenexplosion vom Tisch…
    Das Modell ist also nicht auf nachbarschaftshilfe beschränkt…

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