Strichmännchengeburtstag

Fast auf den Tag genau 70 Jahre ist es her, dass die zwei Ingenieure Norman Woodland und Bernard Silver in den USA ein Patent zum Klassifizieren von Waren angemeldet haben. Eingereicht am Donnerstag, dem 20.Oktober 1949 wurde es ihnen drei Jahre später, am 07.Oktober 1952 unter der Nummer 2.612.994 auch erteilt. Die Idee war damals ein Flop. Heute kommt praktisch kein Supermarkt mehr ohne sie aus.

Die Rede ist vom Strichcode, auch Barcode genannt, der heute auf jedem Artikel in jedem Regal in jedem Supermarkt aufgedruckt ist. Bernard Silver hörte einst mit, wie ein Leiter einer Lebensmittelkette in einem Gespräch sagte, er wünsche sich ein automatisches Inventursystem. Mit Woodland entwickelte er daraufhin eine Methode, um Produktinformationen in fluoreszierender Tinte auf Verpackungen aufzudrucken. Die zum Auslesen nötigen Lampen waren jedoch so teuer, dass das System nicht über einen Prototyp hinauskam.

Woodland war es letztlich, dem am Strand von Miami Beach die Idee zum Barcode kam, als er verträumt mit vier Fingern einer Hand Linien in den Sand zog. Die Spuren im Sand erinnerten Woodland an Morsezeichen – mit senkrechten Strichen. Letztendlich wurde daraus ein System für Dualzahlen, also für Nullen und Einsen. Eine Lücke steht dabei für die Null, ein Strich für die Eins. I II steht so für 1011, was dezimal die Zahl Elf ist. Aus II I wird die Dezimalzahl 13. Trotz der Genialität der Idee, sie setzte sich nicht durch, was wohl auch daran lag, dass es noch keine Laserscanner gab.

Richtig groß hat das Barcode-System dann der Computerriese IBM gemacht. Allerdings erst 1970, kurz nachdem das Patent ausgelaufen ist. Bis zum Einzug in die Supermarktregale dauerte es trotzdem noch ein paar Jahre. Am 26.Juni 1974 ist es dann soweit. In Troy, im US Bundestaat Ohio, trägt Clyde Dawson, der technische Direktor der Supermarktkette Marsh, ein paar Waren zur Kasse. Hier sitzt Sharon Buchanon, die das erste Teil nimmt und es über den neuen Scanner zieht. Es macht PIEP. Die erste jemals an einer Supermarktkasse eingescannte Ware ist ein Wrigleys Kaugummi. Im Display der Kasse stehen 67 Cent.

Während Woodland den Siegeszug der Striche mitbekommt, erlebt sein Kollege Bernard Silver den Erfolg nicht mehr. Er stirbt 1963 bei einem Autounfall. Ob er einen Barcode auf seinem Grabstein hat, ist mir nicht bekannt. Ungewöhnlich wäre das jedenfalls nicht. Es gibt immer mehr Grabsteine mit zweidimensionalem QR Code. Wer den mit der Handykamera abfilmt, bekommt Informationen über den Menschen angezeigt, der hier liegt.

Bildnachweis: Ergebnisse Google-Bildersuche nach „qr code gravestone“ (vom 31.10.19 22:13)

 

2 Kommentare zu “Strichmännchengeburtstag

  1. Super,
    nun brauchen wir das nur noch ein bisschen weiter zu denken, jedem Säugling bei Geburt einen Bar- oder QR-Code aufzutätowieren und eine global abfragbare Datenbank der Erdenbürger und schon hat jeder von uns seine Nummer, ist eindeutig klassifizierbar und kann niue mehr einen Ausweis vergessen.
    Keine Adressdaten mehr die man Speichern muss, die Bürder-ID langt völlig.
    Wenn man eine GUID dafür nimmt, gibts auch keine Probleme wenn die Erdbevölkerung noch etwas wachsen sollte…
    Damit kann man dann auch super die „abweichler“ identifizieren, die da nicht mitspielen bei der Klassifizierung, die sich Law&Order verweigern… wer keinen Code hat exisitert für das System nicht, und hat damit auch keine Rechte… (und wer einen Code besitzt auch nicht unbedingt… )
    Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten…

    • In der Tat habe ich im Zuge der Einführung der Steuer-ID (also vor gut 10 Jahren) darüber nachgedacht, mir diese Zahl spaßeshalber als Barcode auf die Schulter tätowieren zu lassen (meine Haustiere sind ja auch gechipt bzw. tätowiert).
      Durch das jahrelang dauernde, aber dennoch stetig voranschreitende Verlaufen der Tattoo-Farbe unter der Haut würde dann mit den Jahren aus meinem Barcode irgendwann ein Balken – je älter, desto anonymer :-)
      Allein mein „Respekt“ vor der Tätowiernadel hat mich bis jetzt davon abgehalten…

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