Zweiter V. Orname

Holla die Waldfee, ist die Zeitung dick! Klar, bald ist Weihnachten und nun versucht jeder, seine Waren als passende Geschenke anzupreisen und druckt Prospekte ohne Ende. Ich würde jetzt auch Prospekte in Zeitungen einlegen lassen und natürlich würde ich meine Prospekte auch per Post verschicken. Am besten mit persönlicher Anrede.  Direktmarketing nennt sich das. Praktischerweise kann man dazu Datensätze mit Adressen kaufen.

Eine lukrative Sache – für beide Seiten. Die einen verkaufen Adressen, die anderen verkaufen dadurch mehr. Man kann heute aber nicht nur „einfache Adressen“ kaufen. Es gibt auch „fette Adressen“. Adressen die mit Informationen angereichert sind. Wer Straße und Hausnummer kennt, kann mit Streetview prüfen, ob da ein Einfamilienhaus oder ein Hochhaus steht. Über ImmoScout24 ist schnell klar, welche Immobilienpreise dort gezahlt werden und so kann die Adresse auch gleich mal grob finanziell eingegliedert werden. Arm, Reich, Mittelschicht.

Wer dann noch mit dem Nachnamen Google bemüht, der weiß vielleicht auch, welchen Beruf der Empfänger des Prospektes ausübt und was die Person gerne in ihrer Freizeit macht. Sollte dann noch ein Vertrag mit den Herausgebern von Punktekarten an den Kassen vorhanden sein („Haben Sie eine xyz-Karte?“), dann ist auch bekannt, welche Fernsehzeitschrift genutzt wird und ob auf der Rolle drei- oder vierlagiges Papier ist. Für den Werbenden sind das lohnende Informationen, um zu entscheiden, wer den Prospekt im Direktmarketing wert ist.

Ich habe mich ja immer gefragt, wer eigentlich meine Adresse weiterverkauft. Mittlerweile weiß ich es in einigen Fällen – und zwar deshalb, weil ich meinen zweiten Vornamen mit angebe, wenn ich mich irgendwo registriere. Nur den Anfangsbuchstaben, also nicht den vollständigen zweiten Vornamen und auch nie den richtigen. Wenn Sie also „Tobias Ulf“ heißen, dann melden Sie sich doch mal als Tobias R. an. Oder als Tobias D., oder Tobias L. Sollten Sie dann mal per Post ein Werbeschreiben an Tobias R. erhalten, wissen Sie sofort, woher die Adresse stammt.

Vorausgesetzt, Sie begehen nicht den gleichen Fehler wie ich. Ich habe mir nämlich nicht notiert, wo ich mich als Tobias R. angemeldet habe. Mist. In diesem Sinne eine schöne Adventszeit, Ihr Tobias W. Schrödel

Ein Kommentar zu “Zweiter V. Orname

  1. Ein Leser schickte mir eben noch diesen Tipp – Danke! – der ganze erst so richtig rund macht:

    „(…) Als Tip für die Adressen (und um es sich zu merken) habe ich den ersten Buchstaben des Namens der Firma zu schreiben, der ich meine Adresse verrate. Da ich das selten überhaupt eingebe – es hilft. Also zum Beispiel ein C für Center Parks und auch die haben es eingesehen, dass es besser ist meine Adresse nicht zu verkaufen – vor allem wenn ich beweisen kann, dass ich es untersagt hatte :) (…)“

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