„Wetten, daß …?“ war Vorläufer des Crowdfundings

Wie Frank Elstner das Crowdfunding erfand. Und „Wetten, daß …?“ ist der Vorläufer von kickstarter und indiegogo.

Früher, als Kind, saß ich am Samstag Abend gerne im Pyjama vor dem Fernseher und habe das große Abendprogramm angeschaut. Also so Dinge wie den „Grand Prix d’Eurovision“ (als er noch nicht kaputtkommerzialisiert war) oder auch „Wetten, daß …?“ (damals noch mit Frank Elstner). Heute sind beide Sendungen tot, auch wenn eine immer noch läuft.

Das Konzept von „Wetten, daß …?“ war ziemlich simpel. Jemand wettet darauf, dass er irgendetwas kann, was kein anderer kann. Etwas, das noch nie dagewesen ist, was noch nie jemand versucht hat oder was so verrückt klingt, dass alleine schon der Gedanke daran Spaß macht. Da haben sich Menschen vorgestellt, die wetteten, dass sie 80 Bierkästen übereinander stapeln – oder rohe Eier mit dem Gabelstapler transportieren können. Und der Zuschauer vor dem Bildschirm konnte mitwetten, ob er an den Kandidaten glaubt.

Das moderne „Wetten, daß …?“ findet heute im Internet statt. Zwar nicht am Samstag Abend und außerdem auch nicht in 2,5 Stunden (bzw. 4,2 Stunden, wenn Thomas Gottschalk moderierte). Es nennt sich Crowdfunding. Meist junge Menschen stellen sich da vor und wetten, dass sie in sechs Monaten das ultimative Ladekabel produzieren können – oder eine 360°-Kamera, die man werfen kann. Und der User vor dem Monitor kann mitwetten, ob er an das Startup glaubt – mit dem Unterschied, dass er sogar Geld darauf setzt. Gewinnt er, bekommt er irgendwann ein ultimatives Ladekabel – oder eine 360°-Wurfkamera.

Und auch das gab es schon damals bei „Wetten, daß …?“. Nicht alle Kandidaten haben es geschafft. Manche Wetten wurden auch verloren. Und genauso werden es einige Startups bei kickstarter oder indiegogo einfach nicht schaffen. So wie der Turm aus Bierkisten zusammengebrochen ist, weil es doch zu kompliziert war, hat es auch die 360°-Wurfkamera nicht geschafft, weil der Bau zu komplex ist. Die junge Firma Panono ist pleite gegangen, es wird die Kamera also nicht geben.

Blöd ist jetzt nur, dass alle schreien, die als Crowdfunder Geld für so eine 360°-Kamera gezahlt haben – und jetzt keine bekommen. Hey! Hallo! Aufgepasst. Kickstarter und indiegogo sind Crowdfunding-Plattformen – und nicht Amazon. Um es mit den Worten eines ehemaligen Kollegen zu sagen: „Crowdfunding ist nichts anderes als eine Wette. Man GLAUBT, dass es das Team schafft, dieses Produkt auf den Markt zu bringen und gibt in diesem GLAUBEN Geld für ein zu bauendes Produkt.“ Also: Wenn Du was sicher haben willst, dann musst du es kaufen. Du wettest ja auch nicht bei Rewe mit der Kassiererin, dass es Danone schafft, einen ultimativen Joghurt zu machen.

Ein Kommentar zu “„Wetten, daß …?“ war Vorläufer des Crowdfundings

  1. Sehr gut formuliert. Wer zockt, sei es an der Börse oder beim Crowdfunding, muss damit rechnen, unter Umständen sein Kapital zu verlieren, im besten Fall nur anteilig. Das ist Risikokapital. Wer das nicht will, muss in Rentenanleihen inverstieren, wobei selbst die sind heutzutage nicht mehr sicher, oder wie völlig richtig geschrieben, sich das kaufen was er will..

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