Western von Gestern und Hacker von Heute

Der amerikanische Schauspieler Alfred St. John war ein Kinostar. Und nicht nur das, die Damen bekamen reihenweise weiche Knie, wenn sie ihn sahen. St. John entsprach so ziemlich allen Idealen, die man an einen Mann stellen kann. Schlank, groß und mit einem fein gezeichneten, jugendlich anmutenden Gesicht. Al, wie er genannt wurde, war der George Clooney der 1920er Jahre. Vielleicht lag das auch an seiner zurückhaltenden Art. In den meisten Filmen spielte er nämlich häßliche, bucklige oder dümmliche Figuren.

Seine Paraderolle ist Fuzzy, ein ungewaschener, tollpatschiger und zahnloser Cowboy mit langem, ungepflegtem Bart. Fuzzy dürfte einigen noch aus den schwarz-weiß Folgen von „Western von Gestern“ bekannt sein. In vielen Folgen gab es hier die wüstesten Schießereien zwischen guten Cowboys und bösen Banditen. Geschützt hinter einer augenscheinlich schusssicheren Kaktee machte ein Cowboy PENG und ein Böser fiel tot um. Dann schießt einer der Banditen, trifft aber nie und fällt kurz darauf selbst tot um – getroffen von einer Kugel der Guten.

Obwohl man in dem schwarz-weiß Film und der körnigen Aufnahme kaum Gesichter erkennen konnte, war immer klar, wer gut und wer böse war. Wer von einer Kugel getroffen wurde, war Bandit. Ganz einfach.

Aber es gab ja nicht nur herrliche Schießereien in „Western von Gestern“. Um die Gruppen trotzdem unterscheiden zu können, trugen die guten Cowboys in alten Western fast immer weiße Hüte, die bösen hingegen schwarze. Dieses Bild hat sich gehalten und aus diesem Grund nennt man heute IT Sicherheitsforscher, die Lücken in Computerprogrammen und Betriebssystemen an Hersteller melden sinnbildlich White Hat Hacker. Die Bösen Datendiebe sind hingegen die Black Hat Hacker – die mit den schwarzen Hüten.

Hacker

Klischee …

Das sind natürlich nur Metaphern. Oft lassen sich die Gruppen gar nicht nur in Schwarz und Weiß einteilen. Denken wir zum Beispiel an „befreundete Geheimdienste“, die unsere Regierung ausspionieren. Die Unterscheidung ist also gar nicht so einfach. Außerdem: In Wirklichkeit tragen White-Hat-Hacker Nadelstreifenanzug, Jogginghose, den klischeehaften Hoodie oder Jeans mit T-Shirt oder Hemd.

Die Black Hat Hacker tragen dummerweise aber auch Nadelstreifenanzug, Jogginghose, den klischeehaften Hoodie oder Jeans mit T-Shirt oder Hemd. Schlimmer noch: nur die allerwenigsten tragen Hüte!

Das macht aber nichts, denn es gibt ja auch gar kein grobkörniges schwarz-weiß-TV mehr. Da es aber – so wie Fuzzy – nicht nur Cowboys sondern auch Hacker gibt, die ungewaschen, tollpatschig, zahnlos und mit langem, ungepflegtem Bart sind, können wir froh sein, dass es zumindest (noch) kein Geruchsfernsehen gibt.


Bildnachweis: Al St. John Foto gemeinfrei via Wikipedia // Fuzzy Autogrammkarte von Classic Entertainment Autographs  // Hacker (c) Iosif Szasz via Fotolia

Die Information mit den weißen und schwarzen Hüten in Westernfilmen und somit die Idee zu diesem Blogartikel stammt aus dem Podcast Cybercrime von hrInfo

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