Wer misst, misst Mist

 Das Problem, dass man z.B. einen 16.000er DSL Anschluss bezahlt, aber nur mit einem Bruchteil der vermeintlichen Geschwindigkeit im Internet surfen kann, ist allgemein bekannt. Die Provider verkaufen einem einen 16.000er Tarif und keine 16.000er Geschwindigkeit. Deshalb steht im Kleingedruckten und mit siebzehn Sternchen der Hinweis, dass die Geschwindigkeit „bis zu 16.000 kbit/s“ betragen wird – und eben nicht 16.000 ist.

Ich habe früher einmal in einem Kundenprojekt die ganzen Tarifmöglichkeiten eines Internetanschlusses in ein Abrechnungssystem programmieren müssen, die sich der Vertrieb so ausdachte. Da war total absurd. Das Surfen wurde in Kilobyte abgerechnet, war in der Nacht billiger, als am Tag, und am Wochenende gab’s ne Happy Hour – und noch mehr lauter so’n Scheiß. Jeder Monatsabschluss war ein Aufwand ohne Ende, weil der Preis bei jedem Endkunden anders berechnet wurde. Damals wurde ich zu einem großen Freund von Flatrates. Ein Preis für Alles. Gut, das geht nicht bei jedem Produkt, aber mehr als eine Handvoll „Tarife“ sollten es für ein Produkt nicht sein.

Da die DSL Geschwindigkeit von mehreren Faktoren abhängt, kann ein Provider nicht allen Kunden in einem Gebiet die exakt gleiche Surf-Geschwindigkeit bieten. Wer weiter weg ist von der „Vermittlungsstelle“, der surft in der Regel etwas langsamer. Auch die Qualität der verlegten Kabel bis zum Haus spielt eine Rolle. Stichwort: Dämpfung, und daher der Hinweis „bis zu“.

Nun gibt es wie überall auch schwarze Schafe, die einem „bis zu 16.000“ verkaufen, aber gerade mal 1.500 liefern. Nun ist 1.500 zwar auch „bis zu“ 16.000, aber eine derartige Differenz ist einfach nur frech. Seinen Internet-Speed nachprüfen kann jeder selbst mit so genannten DSL-Geschwindigkeitsmessern im Internet. Und dann kann man sich ja mal beschweren. Um einer hochoffiziellen Beschwerde aber zukünftig auch eine verlässliche Messung beifügen zu können, entwickelt die Bundesnetzagentur gerade ein – von Providern wie Datenschützern kritisiertes – Programm, das zumindest mal über Providergrenzen hinweg einheitlich messen wird.

Und wenn der Unterschied zwischen dem Bezahlten und dem Gelieferten nicht zu groß ist, dann ist ja auch ein „bis zu“ im Angebot kein Problem. Ich nutze das ja auch selbst in meiner Kontaktanzeige. „Er, Nichtraucher und bis zu 1,80m groß, fast schlank und bis zu muskulös, sucht charmante sie. Bis zu mehreren Millionen Euro passen auf mein Bankkonto und mein Auto beschleunigt auch in fast Null Komma Nix auf bis zu 100 km/h!“ Na, Interesse?


Danke an den Blog-Leser Klaus Rörig für den Hinweis auf das Tool der Bundesnetzagentur

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