Wenn das Internet abgeschaltet wird

Das Internet heißt bei den Inuit „Ikiaqqijjuti“. Das klingt ein wenig wie der Vulkan, der uns vor ein paar Jahren seine Aschewolken um die Ohren spie und hunderte von Flugzeugen am Fliegen hinderte. In Wirklichkeit steht es für „Ein Schamane reist durch eine andere Dimension der physischen Welt“. Was für eine schöne Metapher.

Eben jenes Ikiaqqijjuti möchte der türkische Ministerpräsident nun in Teilen abschalten, mit twitter und YouTube hat er seine Internetsperre schon mal begonnen. Da es aber keinen Schalter gibt, mit dem man das WWW oder einzelne Web-Dienste abschalten kann, bleibt dem demokratisch gewählten Politiker nichts anderes übrig, als dem Volk, das ihn gewählt hat, den Zugang zu blockieren und Netzsperren einzusetzen. Wenn man in der Türkei www.twitter.com auf seinem Rechner eingibt, wird man umgeleitet auf eine Seite, die einem mitteilt, dass twitter böse ist und die Regierung einen davor schützt und man deshalb nur diese Meldung sieht.

Das gleiche Prinzip hat schon Ursula von der Leyen vor ein paar Jahren mit einem anderen Ziel versucht. Sie wollte den Zugang zu illegalen Fotos versperren. Bei ihr hätte die türkische Regierung mal nachfragen sollen. Frau von der Leyen weiß mittlerweile, dass die Idee schlecht ist, weil sie nicht funktioniert.

Es gibt dutzende Querverbindungen, Verschlüsselungen und Protokolle im Internet, die den Mutigen ein Sprachrohr der freien Meinung bieten, weil sie nicht gesperrt oder abgeschaltet werden können. Entweder weil sie nicht im Zugriff der jeweiligen Regierung sind oder weil man dadurch auch noch andere wichtige Dinge wie das Handynetz abschalten würde.

Per SMS lassen sich nämlich twitter Nachrichten genauso verbreiten wie über Ikiaqqijjuti. Ja genau, die gute alte SMS. In der Türkei einfach eine twitter-Nachricht an die 2444 oder 2555 senden. Je nach Tarif für 19 Cent pro Nachricht. Und die sind es definitiv wert – im Sinne der Freiheit und der Demokratie.

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