Von Ehre und Profit

Wenn man es mal ganz einfach sagen will, dann gibt es gute Hacker und böse Hacker. Die guten nennt man „White Hat Hacker“, die bösen „Black Hat Hacker“. Bei dieser Betrachtung mache ich es mir aber zwar zu einfach. Natürlich gibt es auch noch Graubereiche, aber sei es drum.

Schwarz und Weiß

Was beide Gruppen vereint, ist die Tatsache, dass sie meist hochqualifiziert sind und nach Lücken in Computer, Smartphone oder Apps suchen. Einfach gesagt: „Gute Hacker“ melden eine Lücke dem Hersteller und geben ihm ausreichend Zeit, die Lücke zu schließen, bevor sie sie veröffentlichen*. Da geht es eher um die Ehre – es ist der Stolz, eine Lücke gefunden zu haben. Geld gibt es trotzdem manchmal, wenn der Hersteller ein so genanntes BugBounty-Programm hat.

HackerDie Hacker auf der dunklen Seite der Macht informieren die Hersteller hingegen nicht. Zwar ist hier der Stolz sicherlich ebenso präsent, aber sie nutzen die gefundenen Lücken eher aus, um damit Profit zu erzielen. Das kann durch Erpressung passieren oder über den Verkauf gestohlener Daten.

In manchen Fällen werden sogar die Beschreibungen der Lücken im Darknet verkauft, damit andere sie ausnutzen können. Aber egal, ob Ehre oder Profit – ein Gewissen haben die meisten Hacker, egal auf welcher Seite sie stehen – siehe Anonymous. Aber eben nicht alle.

Anonymität für Alle

Das TOR-Netzwerk im Internet wird von Dissidenten und Whistleblowern genutzt, aber natürlich und blöderweise auch von Kriminellen, um völlig anonym und nicht identifizierbar im Netz zu surfen. Ein Messer wird ja auch von Köchen genutzt – und blöderweise  manchmal auch von Mördern.

Den amerikanischen Behörden ist es nun gelungen, User eines Forums rund um Kinderpornografie zu identifizieren und anzuklagen – obwohl diese mit TOR ihre Spuren verwischen wollten. Bravo! Aber: Dazu haben sie eine Art Virus geschrieben, der eine Lücke, also einen Fehler, im TOR-Programm nutzt. Die Lücke selbst haben sie den Entwicklern von TOR aber nicht preisgegeben, einen Bugfix zum Schließen der Lücke wird es also vorerst nicht geben. So können zwar weitere Verbrecher entlarvt werden, aber: Damit bleiben auch politisch Verfolgte in anderen Ländern in Gefahr, enttarnt zu werden und im Straflager zu enden.

Profit, Gier, Macht

Es kommt aber noch schlimmer. Ein Richter forderte die Behörden auf, den Quellcode der Lücke offenzulegen, damit überprüft werden kann, ob die Beweise mit legalen Mitteln erlangt wurden. Das würde zwangsläufig „das Ende der Lücke“ bedeuten und das wollten die US-Behörden keinesfalls. Sie ließen daher lieber die Anklage wegen der Nutzung von Kinderpornografie (!) gegen einen Beschuldigten fallen und stellten das Verfahren ein. Ihnen ist es wichtiger, noch länger von der Lücke zu profitieren. Ich bin fassungslos und mir fällt dazu nur ein spanisches Sprichwort ein: Ehre und Profit haben im gleichen Sack keinen Platz.


* So gehe ich auch vor – und falls Sie sich geärgert haben, dass Ende letzten Jahres die E-Mail-App in einigen Telekom-Produkten wie EntertainTV urplötzlich weg war und überarbeitet wurde, dann dürfen Sie sich bei mir beschweren.


Bildnachweis: Hacker (c) Elnur via fotolia /  Mail App Screenshot (c) Tobias Schrödel

Ein Kommentar zu “Von Ehre und Profit

  1. Pingback: Da fehlen mir echt die Worte! | Stupor Babsii

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