Virenschutz vom Baumarkt

// Aus Versehen zu früh veröffentlicht, da noch im „Urlaubsmodus“ – dies ist der Text, der für den 14.08. geplant war //


Erpresserviren – auch Ransomware genannt – waren in den letzten Monaten so erfolgreich, dass sich nun auch andere kriminelle Geschäftszweige etwas davon abgucken. Das Prinzip ist einfach. Man entzieht einem Menschen sein Eigentum und verlangt Lösegeld, bevor man es zurückgibt. Auf dem Computer sind das Daten. Bilder und Dokumente, die verschlüsselt werden und die so vom rechtmäßigen Nutzer eben nicht mehr genutzt werden können. Das Lösegeld fließt – wie sollte es anders sein – per Bitcoin an den Erpresser. Digitales Geld also, bei dem niemand sehen kann, wem das Konto gehört und wer der Erpresser ist.

Wenn wir das mal in die reale Welt übertragen – und Lösegeldforderungen oder Erpressungen gab es schon immer – dann hat die digitale Version mit Computerviren ein paar ganz entscheidende Vorteile. Wer Daten verschlüsselt, muss niemanden in einen Lieferwagen zwingen, fesseln, knebeln und bedrohen. Wer Bitcoin verlangt, muss keine Geldübergabe planen, bei der dann ein Spezialeinsatzkommando der Polizei auf einen wartet. Wer danach einfach ein Entschlüsselungsprogramm schickt, braucht niemanden frei lassen, der dann auch noch der Polizei erzählt, wie groß man ist und welchen Akzent man spricht.

Kurzum, eine digitale Erpressung mit Computerviren hat viele Vorteile gegenüber der realen. Und das haben mittlerweile schon einige geschnallt. Es gibt schon erste Erpresser, die Supermärkte mit der Vergiftung von Lebensmitteln bedrohen. Damit die Nussnougatcreme aber nicht vergiftet wird, wird kein Geld samt Geldübergabe verlangt, sondern eine bequeme Überweisung von Bitcoins. Kluger Schachzug. So wird das größte Risiko – die physische Geldübergabe – eliminiert. Allerdings halte ich persönlich schon die Androhung einer Vergiftung von Lebensmitteln für ziemlich verabscheuungswürdig.

Ganz grandios finde ich hingegen die Idee eines Russen. Der legt Autos im wahrsten Sinne des Wortes an die Kette. Wer nicht aufpasst, findet sein teures Vehikel mit einer großen Kette samt fettem Vorhängeschloss um die Felge wieder und kann nicht wegfahren. An der Scheibe klebt ein Zettel, der den Fahrer aufklärt. „Bezahle Lösegeld in Bitcoin oder Gutscheinen, um zu erfahren, wo der Schlüssel für das Schloss versteckt ist.“ Super, der Typ hat an alles gedacht. Keine Personen gefährdet, keine Geldübergabe mit SEK und gefahrlose Rückgabe des „entführten“ Gegenstandes.

Nun ja, eines hat er vergessen: Es gibt schon ein passendes „Anti-Virenprogramm“ für diese Methode – und zwar im Baumarkt: nennt sich Bolzenschneider.


Bildnachweis: https://twitter.com/EnglishRussia1/status/895204755160653824

Und noch ein Hinweis: In Bezug auf FakeNews … diese Geschichte mit den angeketteten Autos ist so absurd, dass sie schon wieder toll ist. Tatsächlich habe ich aber das Gefühl, dass hier jeder von einer einzigen Quelle abschreibt und an der Geschichte nichts dran ist. Alleine die Kosten der Schlösser dürfte die Einnahmen deutlich überschreiten.

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