VerGIFtet

Das meistgenutzte Format für Bilder im Internet ist JPG. Nahezu jede Digitalkamera und jedes Smartphone speichert seine Fotos in diesem Format. JPG wurde 1992 vorgestellt und erlaubt eine hocheffiziente Komprimierung von Bilddaten. Das war damals sehr wichtig, weil Bandbreite, also Geschwindigkeit, in den Kinderjahren des Internets noch Mangelware war. Damit sich eine Webseite in halbwegs vernünftiger Zeit aufbauen konnte, musste man Bilder haben, die möglichst wenig Speicher verbrauchen. Der JPG Algorithmus schafft das, wenn er die Bilder mit dem Verlust von Details speichert, was für ein Banner oder ein Bild auf einer Webseite völlig in Ordnung ist.

Abgelöst hat JPG mit seinen Vorteilen das GIF-Format, welches 1987 von Compuserve entwickelt wurde. Bilder im GIF-Format werden zwar auch komprimiert, allerdings verlustfrei, weshalb die Dateigrößen eines kompakten JPGs denen einen GIFs immer überlegen waren.

Ein weiterer Nachteil von GIF ist die Tatsache, dass es nur 256 Farben darstellen kann. Das sieht heute bei einem Foto ziemlich mies aus, auch wenn das um 1990 kein Problem war, da es nahezu keine bezahlbaren Monitore gab, die mehr Farben hätten darstellen können. Im Gegensatz zu JPG hat ein GIF dafür aber zwei ganz coole Features.

Zum einen ist das die „transparente Farbe“, also eine Farbe, die nicht angezeigt wird. Dies erlaubt freigestellte Grafiken. Ein Schmetterling hat so wirklich die Form eines Schmetterlings auf dem Hintergrund und nicht die eines grauen Rechtecks mit Schmetterling darin (was auch andere Grafikformate wie PNG beherrschen).

ein GIFDas zweite Feature ist die Möglichkeit, mehrere Bilder in einem GIF zu speichern und diese – wie bei einem Daumenkino – hintereinander und als Endlosschleife abzuspielen. So sind kurze Animationen und Mini-Filmchen möglich, was diesem einst ausgestorbenen Bildformat aktuell neues Leben einhaucht. GIFs sind gerade absolut hip und sie verdrängen die Smileys!

Millionen User binden heute kurze GIF-Animationen in Posts, Mails oder Tweets ein, um ihren Text zu untermalen. Für die Leser ist das natürlich eine Augenweide. Aber man muss auch aufpassen. Dem US-Journalisten Kurt Eichenwald wurde letztens so ein animiertes GIF ganz bewusst per Twitter zugeschickt. Es bestand aus nur zwei Bildern.

GIFT im GIFEines vollständig weiß, das andere vollständig schwarz. Beide Bilder wurden abwechselnd und in schnellem Wechsel in einer Endlosschleife abgespielt. Der Absender – ein gewisser John Rivello – wusste, dass Eichenwald ein fotosensibler Epileptiker ist. So twitterte er „Ich hoffe, hiervon bekommt er einen Anfall“ und ebenso: „Habe Eichenwald [ein flackerndes GIF] geschickt, mal sehen, ob er stirbt„.

Das stroboskopartige GIF löste bei Eichenwald tatsächlich einen schweren Anfall aus, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Seine Frau fand ihn acht Minuten später und rettete sein Leben. Eichenwald war tagelang arbeitsunfähig und hatte über Wochen Probleme mit beim Sprechen. GIFT kannte ich als bereits Tatwaffe, GIF noch nicht.


Bildnachweis: alle GIFs von Giphy

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