Spicken verboten

Machen wir uns nichts vor. Schüler sind seit hunderten von Jahren Spezialisten in einer Disziplin: dem Spicken bei Prüfungen. Lehrer hingegen arbeiten daran, die Abschauversuche der jungen Menschen zu unterbinden. Deshalb erfinden Schüler auch immer wieder neue Methoden. Spickzettel, Geheimtinte, bereits mitgebrachte und zu Hause geschriebene Aufsätze, bis hin zu Bluetooth Headsets unter der Mütze oder einem versteckten Telefon auf dem Klo – um bei einer angetäuschten Pinkelpause jemanden anzurufen zu können. Und die Lehrer … die reagieren umgehend auf jede neu entdeckte Möglichkeit. Daher gibt es mittlerweile gestempelte Papiere, um eingeschmuggelte Dokumente zu erkennen, es gibt natürlich ein Handyverbot und sogar gründlich untersuchte und bis zur Prüfung versiegelte Toiletten.

Das ist ein bisschen so, wie der Wettlauf zwischen Codemachern und Codeknackern. Auch der läuft sehr ähnlich – schon seit Jahrhunderten. Immer dann, wenn ein neuer Geheimcode auftauchte, machten sich Codeknacker an die Arbeit und versuchten eine Schwachstelle zu finden. War ein Code geknackt, gingen die Codemacher her und erfanden einfach eine noch sicherere Methode. Und dann versuchten sich die Codeknacker natürlich an dieser. Manchmal dauert es nur ein paar Tage oder Stunden, bis ein vermeintlich sicherer Code geknackt war, meist nahm diese Arbeit jedoch Jahrzehnte in Anspruch. Wie frustrierend muss es sein, dass nach so einem Triumph einfach eine neue Verschlüsselungsmethode auf den Markt geworfen wurde. Arme Codeknacker! Ähnlich frustrierend muss es aber doch auch für Lehrer sein.

Spicken auf dem SchulkloBis jetzt hat es gereicht, wenn ein Lehrer an der Türe des Klos stand und einfach horchte, damit der „Telefonjoker“ nicht angerufen werden konnte. Heute können die Schüler unbemerkt tippen und die gesuchte Information  heimlich, still und leise mit dem Smartphone aus dem Internet abrufen. Das hört keiner. Sollen die Lehrer demnächst also auch noch zuschauen müssen, wenn einer mal „muss“?

Ganz anders läuft das im Irak. Wenn in dem kriegsgebeutelten Land Abschlussprüfungen anstehen, dann gibt es auch dort das Problem, dass Schüler ihr Smartphone nehmen könnten, um die Antworten zu googeln. Man könnte also Smartphones auch dort in Prüfungen verbieten, muss dann aber – wie auch hier – mit dem Restrisiko leben, dass es „besonders nette oder geschmierte Lehrer“ gibt – und gute Verstecke auf dem Klo. Gesucht wurde also eine effizientere Methode. Und die hat man auch gefunden.

Im Irak wird während der Prüfungen einfach das Internet abgeschaltet. Komplett. Im ganzen Land. Für Alle. Drei Stunden lang. An drei Tagen in Folge. Immer dann, wenn die großen Abschlussprüfungen anstehen. Unglaublich, oder? Eine Sprecherin des Erziehungsministeriums hat das aber nun offiziell bestätigt. Ich bin gespannt, was sich die irakischen Schülerinnen und Schüler jetzt einfallen lassen.


Bildnachweis: afxhome via Fotolia

2 Kommentare zu “Spicken verboten

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