Richtungsweisend

Ich kann mich daran erinnern, einmal gelesen zu haben, dass einem Mitarbeiter eines Automobilherstellers aufgefallen ist, dass es keine Pannensituation gibt, in der der Fahrer einen Hammer benötigt.

Er schlug deshalb seinem Chef vor, den Hammer im Notfall-Werkzeug-Set einfach wegzulassen und dadurch Millionen einzusparen. Für den engagierten Mitarbeiter gab es daraufhin eine fette Prämie und das betriebliche Vorschlagwesen war geboren.

Links oder Rechts

Aber nicht nur Mitarbeiter machen Einspar-Vorschläge. Immer wieder höre ich als Witz, dass BMW doch den Blinker einsparen könnte, weil Fahrer dieser Marke diesen eh nie benutzen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es in ein paar Jahren soweit ist, und unsere Autos wirklich selbst blinken. Dank Sensoren und Big Data nämlich. Nach zig-Millionen gemessenen Spurwechseln weiß das Fahrzeug nämlich schon vorher am kurzen Blick in den Seitenspiegel (Kamera-Sensor) und einem – wenn auch nur angedeuteten – Schulterblick (Drucksensoren im Sitz), dass der Fahrzeuglenker jetzt einen anderen Fahrstreifen bevorzugt.

Den Blinkerhebel könnte man dann weglassen und einsparen, die gelben Lämpchen hingegen nicht. Auch nicht eines, man braucht beide, schließlich kann das Auto ja rechts oder links fahren. Ganz ähnlich verhält es sich mit Aufzügen in Hotels oder Büros. Dort gibt auch sowas wie einen Blinker. Die Knöpfe nämlich, mit denen man dem System mitteilt, ob man rauf oder runter möchte. Die Software kann dann berechnen, welchen Fahrstuhl es wie steuert, um möglichst wenig Wartezeit zu erzeugen. Ein Aufzug, der runter fährt, hält nur, wenn draussen einer steht, der auch runter will – und umgekehrt. Daher gibt es zwei Knöpfe. Einen, wenn man  rauf will und einen, wenn man runter will.

Rauf oder Runter

Und wie hasse ich es, wenn ich in eine obere Etage möchte und in jedem zweiten Stockwerk halten muss, weil irgendein Vollpfosten im Stockwerk beide Knöpfe gedrückt hat, obwohl er nur runter will und nicht gleichzeitig auch rauf … wie auch. Das schlimme ist ja, dass diese Typen damit genau das verursachen, was sie selbst am meisten nervt und was überhaupt der Grund ist, warum sie beide Tasten betätigen: Wartezeit.

Ich überlege mir gerade, ob ich diese Typen zukünftig nicht zwingen sollte, einzusteigen und mit mir in die für sie falsche Richtung mitzufahren. Nicht, weil ich mich rächen will, nein, weil ich sie daran hindern will, meine Wartezeit noch einmal zu erhöhen.

Schlimmer als diese Doppelknopfdrücker sind nämlich die, die eine halbe Sekunde bevor die Aufzugstüren endlich wieder geschlossen sind, draussen erneut drücken – und sich die Türen prompt wieder öffnen. Solchen Typen könnte ich jedes mal mit dem eingesparten Hammer aus dem KFZ-Notfallset eine reinhauen – und zwar ohne Krafteinsparung, dafür von oben, von unten, von links und von rechts.


Bildnachweis: Werkzeug (c) Eugen Thome via fotolia // Aufzugsknopf (c) Victoriya89 via fotolia (bearbeitet) // Mann in Panik (c) zphoto83 via photolia

2 Kommentare zu “Richtungsweisend

  1. Endlich mal jemand, der dieses Thema wagt anzusprechen. Ick als Berlina mach bei soone Typen ooch imma nen Spruch, „ich erläutere Ihnen mal die Bedeutung der Symbole auf den Knöpfen….“!
    Alladings muss ick kleinlaut jestehn, ick hab mir ooch schon mal verdrückt…als die Türe denn uffjing irgendwat von Entschuldigung jenuschelt, und jut war.

    • Na – wennst di verdruckt hast und „Sorry“ sogst, is ois guad. Bled san blos de, de no frogn „Auffi?“ und du sogst „Freili“ und die sogn dann „Mist, da wui i gar net hi“ – und dann druckens no amoi hi, auf den Knopf, de Zipfelklatscha de bledn.

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