Oh freuet euch sehr – aber nicht zu früh

Wer zu Weihnachten Smartphones verschenkt, handelt eindeutig 
unverantwortlich. Nein, nicht wegen der Herstellung - 
wegen der Schmerzen beim Nutzer!

Heilig Abend in Deutschland. Kinder krakelen Lieder über verschneite Wälder während sich draußen das erste Maiglöckchen durchs Gras kämpft. In den Stuben stehen geschmückte, herrlich duftende skandinavische Fichten, die mit stinkenden LKWs tausend Kilometer durch Deutschland transportiert wurden. Die staubtrockene Nadeln lösen sich bei der kleinsten Berührung – nur um sich dann vermeintlich für immer und ewig in den von pakistanischen Kinderhänden geknüpften Schlaufen des Teppichs zu verfangen. Sauteures aber maschinell für Centbeträge hergestelltes Plastikspielzeug wartet darauf – in korrektem Recyclingpapier verpackt – von Kindern ausgepackt zu werden. Und irgendein Unverantwortlicher verschenkt bestimmt auch wieder ein Smartphone – und fördert so die Verbreitung von Zivilisationskrankheiten.

Was ich damit meine? Ganz einfach: Früher brach man sich beim Spielen draußen einfach mal den Arm. Heute stehen Menschen mit Sehnenreizungen und Muskelentzündungen in den Arztpraxen. Der eine hat den Handynacken, weil er beim Mailchecken am Handy permanent nach unten glotzt und so andauernd seine Nackenmuskeln überdehnt. Der Nächste beklagt ein Kribbeln des Armes, verursacht durch den „Mausarm“ – typisch für Büroangestellte mit Bildschirmarbeitsplatz. Auch der SMS-Daumen kommt immer mehr in Mode. Durch die ungewohnten Bewegungen beim Tippen auf winzigen Tastaturen werden die Sehnen im Daumengelenk ungewöhnlich stark beansprucht. 2/3 der Briten litten bereits 2012 unter Nomophobie. Das ist die Angst, mobil nicht erreichbar zu sein. Tendenz auch hierzulande: Steigend. Oder die Jugendlichen, die unachtsam, weil ins Handy glotzend am Bahnhof ins Gleisbett fallen.

Der menschliche Körper ist trotz 200.000 jähriger Evolution schlichtweg nicht auf das Handy vorbereitet. Was für Krankheiten werden wohl noch kommen? Das Bluetooth-Headset-Ohrläppchen? Der Highspeed-Datenvolumen-überschritten-Tobsuchtsanfall? Oder das WhatsApp-Schienbein, wenn man hochkonzentriert tippend gegen einen Stuhl rennt?

Da lobe ich mir dann doch die traditionellen Verletzungen an den Weihnachtsfeiertagen. Trockene Tannennadeln, die sich ins Nagelbett des großen Zehs bohren. Oder der Fehltritt, nachts auf dem Weg zur Toilette, bei dem der Legostein aus Plastik in der Ferse genauso schmerzhaft ist wie der biologisch wertvolle Holzwürfel von der Murmelbahn. In diesem Sinne: Frohes Fest und bleiben Sie gesund!

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