Nur JA kein NEIN oder ABBRECHEN

Seit Juni bietet Google seinen angemeldeten und nicht angemeldeten Kunden die Möglichkeit, die Datenschutzeinstellungen übersichtlich und verständlich einzusehen und anzupassen. Das machen die nicht freiwillig. Das machen die, weil der Gesetzgeber eine transparente Datenschutzrichtlinie fordert. Insbesondere deshalb, weil Google nicht nur Daten sammelt und erfasst, sondern weil sie daraus auch personenbezogene Profile erstellen und nutzen. Und das ist zustimmungspflichtig.

Offenbar hat die seit Sommer laufende Charmeoffensive der nun um Transparenz bemühten Datenkrake noch nicht ausreichend gefruchtet, so dass sie nun die Daumenschrauben anziehen. In den letzten Tagen berichten immer mehr User von einem PopUp, das dazu auffordert, die Datenschutzeinstellungen vorzunehmen. Perverserweise versperrt dieser Hinweis den Bildschirm und verhindert eine Google-Suche so lange, bis man die Bestimmungen bestätigt hat. Das hat meiner Meinung nach einen faden Beigeschmack, denn wer jetzt etwas sucht, der will auch jetzt Ergebnisse und nicht erst AGB-ähnliche Datenschutzbestimmungen lesen, verstehen und bestätigen. Da schwebt doch die Hoffnung mit, dass viele einfach genervt auf „Ich stimme zu“ klicken, um weiter machen zu können. Insbesondere deshalb, weil es „Ich lehne ab“ gar nicht gibt. Sie können nur „Ich stimme zu“ anklicken, was mich ein wenig an nordkoreanische Wahlzettel erinnert.

Aber es kommt noch besser. Wer öfter nach „Campingplatz“ googelt, dem wird relevante Werbung eingeblendet, also Anzeigen für Gaskocher, Zelte und Rucksäcke. Wer das nicht will, der muss eine entsprechende Einstellung in den Datenschutzeinstellungen vornehmen. Dann wird die Suchhistorie zwar weiterhin gespeichert, sie wird aber nicht mehr für „relevante Werbeeinblendungen“ genutzt An anderer Stelle weist Google zusätzlich noch vollmundig darauf hin, dass man auch die Cookies (kleine, ansonsten ungefährliche Textdateien) löschen kann, die Google dabei helfen, Sie zu identifizieren, sobald Sie die Suchmaske aufrufen. Na das sind doch mal richtig gute Hinweise! Danke, Google.

Aber ich verstehe die Welt nicht mehr. Die torpedieren doch so ihr eigenes Geschäft mit unseren Daten?! Wo ist da nur der Haken? Ach da! Auf einer anderen Seite steht es: Die Deaktivierung relevanter Werbung gilt nur für den gerade genutzten Browser. Wer PC, Laptop, Tablet und Smartphone hat und jeweils Firefox, Internet Explorer, Safari und Chrome nutzt, der muss diese Einstellung also 4×4=16 mal vornehmen. Und das Beste kommt zum Schluß: Das Löschen der Cookies führt dazu, dass die Deaktivierung „relevanter Werbung“ ohne weiteren Hinweis wieder rückgängig gemacht wird. Hätte mich auch schwer gewundert.

Einstellung-fuer-Werbung-außerhalb-Google-off-

Bildhinweis: Screenshot www.google.de vom 21.10.2015

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