Nun hör mir doch mal zu!

Nach den bestialischen Anschlägen in Paris am 13.11.2015 hieß es relativ schnell in den Medien, dass es sich um eine koordinierte, von Außen gesteuerte Aktion gehandelt haben müsse. Die Terroristen haben vorher miteinander kommuniziert und sich abgestimmt. Nur, wie haben sie das gemacht, ohne dabei aufzufliegen? Es ist bekannt, dass die Five-Eyes (die Geheimdienste der USA, Kanadas, Großbritanniens, Australiens und Neuseelands) so ziemlich alles überwachen, was an Email, Telefonaten, Skype oder WhatsApp-Chats von und zu bekannten Gefährdern und irgendwie auch nur in die Richtung der Länder geht, die mit ISIS in Verbindung stehen. Auch Frankreich hat schon seit 2006 eine Vorratsdatenspeicherung aller Telefonverbindungen.

Nun ja, schon immer hatten Menschen das Verlangen, vor Überwachung geschützt zu kommunizieren. Und zwar nicht nur Terroristen. Das fängt im Kindergarten an, wenn man seinem besten Kumpel etwas ins Ohr flüstert, was andere nicht hören sollen. Von Altbundeskanzler Helmut Kohl ist bekannt, dass er sich – aus Angst vor einem abgehörten Mobiltelefonat im damaligen C-Netz – schon mal von seinem Chauffeur an einer x-beliebigen, weil kabelgebundenen, Telefonzelle absetzen ließ, um seine Minister anzurufen. Kurzum: Wer geheim Kommunizieren möchte, wird kreativ und schafft das. Auch Terroristen.

Natürlich verstehe ich den Innenminister, die Geheimdienstler und vor allen Dingen die Polizisten, die uns teilweise unter Einsatz ihres eigenen Lebens schützen (Danke!), dass sie möglichst alle Kommunikationswege überwachen wollen. Das ist ihre Aufgabe. Die Mörder von Paris haben sich nur dummerweise nicht an die üblichen Methoden wie Telefon oder Email gehalten. Auch zukünftig werden sie das nicht tun, denn dort sind sie überwachbar – und das wissen sie.

Vorratsdatenspeicherung verhindert keine geheim Kommunikation minecraft_parisSie haben (so wurde in diversen Medien gemutmaßt, jedoch nie bestätigt und mittlerweile abgestritten) in Computerspielnetzwerken gechattet oder ihre Spielfiguren in Multiplayerspielen Informationen an Wände malen (bzw virtuell schießen) lassen.

Das kann man sogar innerhalb pädagogisch wertvollen Kinderspielen wie Minecraft machen, und lässt sich unmöglich überwachen.

Es gäbe auch noch Dutzende andere Alternativen wie Telegram (das wohl von ISIS genutzt wird und so eine wunderbare Idee in Verruf bringt), Threema oder das unsichtbare Einbringen von Informationen in Fotos – all das ist ebenfalls niemals flächendeckend zu überwachen. Schon deshalb ist die Vorratsdatenspeicherung unsinnig. Mit ihr lassen sich nämlich nur Kleinkriminelle und Vollidioten erwischen – aber keine Terroristen. Leider.

Ergänzung 26.11.2015:

Mittlerweile fordert der ehemalige CIA-Chef Wollsey die Todesstrafe für Edward Snowden, da durch dessen Veröffentlichungen die Terroristen die Überwachung der Geheimdienste umgehen – und Snowden somit an den Toten von Paris mitschuldig sei.

Herr Woolsey scheint zu vergessen, dass jeder Siebtklässler, der ein Buch lesen oder ein YouTube-Video schauen kann, in der Lage ist, sicher zu kommunizieren.


Bildnachweis: (c) Tobias Schrödel

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