Los, schneller!

Unser Leben wird immer schneller. Stuttgart-21 wird uns 26 Minuten früher nach München bringen. Gymnasiasten werden heute schon wegen G8 ein Jahr früher auf die Uni geschickt und wer heute mal bei Aldi bezahlt hat, kommt bei dem Hochgeschwindigkeits-Scanner mit dem Reinschaufeln der Waren in die Tüten gar nicht mehr nach. Diese Gier nach Geschwindigkeit erreicht uns dank Smartphones nun auch beim Lesen. SpeedReading heißt das Zauberwort – Schnelllesen.

Früher wurde das Buch im Urlaub noch zur Entspannung oder am Abend zum Einschlafen genutzt. Die ruhigen Zeiten des Lesens sind jedoch vorbei. Neueste Smartphone-Apps setzen auf die Fähigkeit des Gehirns, Wörter zu erkennen – ohne diese in vollem Umfang gelesen zu haben. Die Technik ist nicht wirklich neu. Bereits 1976 fand Graham Rawlinson heraus, dass es eagl ist, in wcheler Rhnfgeeloie die Bstuchbaen in eniem Wrot snid. Das eniizg Whictgie ist, dsas der etrse und der lztete Bstuchbae am rtigeichn Paltz snid. Wer normale Wörter einigermaßen schnell lesen kann, wird mit den letzten zwei Sätzen daher kein Problem gehabt haben.

Das ganze geht aber noch schneller. Die neueste Errungenschaft heißt Spritz und ist eine Smartphone-App. Spritz zeigt dem Leser keinen kompletten Text. Es werden nur einzelne Worte angezeigt und ein Buchstabe durch rote Farbe hervorgehoben. Dieser Signalbuchstabe ist der „Optimale Erkennungsbuchstabe“ eines Wortes und liegt meist etwas links der Wortmitte. Mit etwas Training verspricht Spritz dem Anwender bald schon bis zu 1.000 Wörter pro Minute lesen zu können. Harry Potter und der Stein der Weisen können Sie demnach in knapp 77 Minuten komplett durchlesen und diese Kolumne in 20 Sekunden. SpeedReading halt. Eigentlich blöd, denn ich brauche immer ein bis zwei Stunden, um sie zu schreiben. SlowWriting nenne ich diese Technik.

Männer sollten übrigens für ihr zukunftsweisendes und vorausschauendes Handeln belohnt werden. Schon seit Jahren leben viele von ihnen den High-Speed-Trend in den heimischen Schlafzimmern vor – oder was glauben Sie, warum die App diesen Namen trägt?

Ein Kommentar zu “Los, schneller!

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