Kein Schwein ruft mich an – Fangschaltung kann jeder

Rund 300 Milliarden Minuten werden wir Deutschen wohl dieses Jahr telefonieren. Nur bei einigen der Telefonate wird dabei gestöhnt oder beleidigt. Trotzdem sorgen gerade diese wenigen Anrufe bei Stalking-Opfern für massive Belastungen. Zum Glück gibt es Fangschaltungen, mit denen man auch die unterdrückte Rufnummer des Stalkers bekommt. Und anders als beim Tatort kann jeder eine Fangschaltung legen lassen – ganz ohne Kommissar und auch ohne richterlichen Beschluss.

Kein Scherz. Nur im Krimi muss der Assistent vom Kommissar nachts den Richter aus dem Bett klingeln, damit eine Telefonüberwachung anlaufen kann. Im echten Leben braucht es keinen Richter. Zumindest dann nicht, wenn es um den eigenen Anschluss geht. Denn geht es nur darum, herauszufinden, wer einen belästigt, dann ist das mit zwei ausgefüllten Formularen möglich. „Feststellungsmaßnahme“ nennt sich das, und die gibt es beim Provider für Handy und für Festnetz und kostet – je nach Anbieter – um die 200€.

Hat man eine Feststellungsmaßnahme bestellt, schickt man seinem Provider nach Ablauf einer vereinbarten Frist eine Liste mit den Zeiten der belästigenden Anrufe. Danach erhält man selbst bei unterdrückten oder falsch angezeigten Nummern die korrekte Rufnummer samt Anschlussinhaber mitgeteilt. Allerdings – sofern man nicht innerhalb einer Woche schwerwiegende Gründe dagegen vorbringen kann – wird auch die überwachte Person gemäß §101 TKG darüber informiert, dass Sie dessen Name und Adresse abgefragt haben.

Die Sache hat nur einen Haken: Im Kleingedruckten wird darauf hingewiesen dass Name und Adresse nicht immer stimmen. Das Telefonat kann ja über eine anonym registrierte Prepaid-Karte von der Tanke oder vom Discounter geführt worden sein. Zwar schreibt das Telekommunikations-Gesetz eine Registrierung aller Telefonanschlüsse vor, eine Pflicht zur Verifizierung der Daten (z.B. über einen Personalausweis) jedoch nicht. Daher kann theoretisch jeder unter falschem Namen telefonieren. Die Piratenpartei in Baden-Württemberg ruft seit April 2013 sogar dazu auf, falsche Daten anzugeben.

In der Folge trifft das BKA jedes Jahr bei Tausenden Emittlungsverfahren wegen Telefon-Terrors bei der Fangschaltung immer öfter auf Namen wie „Schweinchen Dick“. Auch wenn Max Raabe in seinem Lied bedauert dass ihn kein Schwein anruft – manchmal ist das gar nicht so schlecht.

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