Hackfresse als Passwort

Die neue Version des iPhone hat eine Gesichtserkennung. Einfach das Gesicht vor das Display halten und schwupps ist das Gerät entsperrt.

Angeblich schafft es das neue iPhone auch, eine Person selbst dann zu erkennen, wenn sie eine Sonnenbrille trägt, einen Hut aufhat oder sich einen Bart wachsen lässt. Darauf ist Apple sogar richtig stolz. Aber eigentlich ist der Bart oder die Brille des Besitzers nicht das Problem. Wer eine Sonnenbrille aufhat und nicht mehr per Gesichtserkennung ins System kommt, der ärgert sich höchstens. Problematisch wird es dann, wenn jemand – egal ob mit oder ohne Bart – das Handy entsperren kann, dem es gar nicht gehört. Ein sogenanntes False-Positive.

Der Biometrie-Spezialist des Chaos Computer Clubs „Starbug“ hat schon früher Gesichtserkennungs-Programme überlistet. Anfangs reichte ein Foto, weshalb die Hersteller bald eine Art „Lebenderkennung“ einbauten. Blinzeln sollte man bei Aufforderung, was ein Foto ja schlecht kann. „Starbug“ „blinzelte“ dem System was vor, indem er mit einem Stift vor den Augen auf dem Foto der abgelichteten Person herum fuchtelte – und war im System. Ich mache das in meinen Vorträgen ab und an mit einer Foto-Slideshow auf dem Handy. Auge zu, Auge auf, Auge zu, Auge auf. Das geht auch.

Mit solch einfachen Tricks lässt sich Face ID angeblich nicht überlisten. Apple sagt sogar, dass das neue iPhone meine Daten besser schützt, als alle Modelle zuvor. Na ja, wer‘s glaubt. Heute kann mich die Polizei nicht zur Herausgabe meines Passworts zwingen. Auch meinen Finger muss ich nicht hergeben, damit die Gesetzeshüter an meine Daten kommen. Wenn ich aber in Handschellen gefesselt auf dem Boden sitze, wird es schwer, sich zu wehren, wenn ein Polizist „Schau mal, was ich hier habe!“ ruft – und dabei mit meinem iPhone vor meinem Gesicht rumwedelt.

Man kann von biometrischem Zugangsschutz halten, was man will. Auch beim Fingerabdruckscanner haben wir anfangs gewettert. Und ja, man kann Fingerabdrücke und auch Gesichter „nachbauen“ und Face ID wird sicherlich recht schnell – und medienwirksam – überlistet werden. Bald jedoch wird Face ID fast jeder nutzen, genauso wie heute den Fingerabdruckscanner. Warum? Weil es einfach und bequem ist.

Apple ist sogar überzeugt davon, dass Face ID irgendwann der Standard beim Zugangsschutz wird. Dein Gesicht wird also das, was heute noch dein Passwort ist. Unterstützt wird diese Idee übrigens vom Bundesverband der Schönheitschirurgen. Schließlich soll man sein Passwort ja regelmäßig ändern.

4 Kommentare zu “Hackfresse als Passwort

  1. Das neue iPhone/iOS kennt aber auch einen Überfall/ Kontrollmodus. Dann ist FaceID deaktiviert und man muss wie früher wieder die AppleID nutzen.

  2. Pingback: Hackfresse | Stupor Babsii

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