Fingerhakeln

Immer mehr Menschen setzen beim Schutz ihres Smartphones auf ihren Fingerabdruck. Dieser ist – und das wissen wir schon seit „Sherlock Holmes“ – einzigartig auf der Welt. Damit bietet sich der Fingerabdruck als Zugangskontrolle geradezu an. Im Vergleich zu einem Passwort hat er nämlich ein paar ganz entscheidende Vorteile. Man kann ihn nicht weitersagen, man kann ihn nicht auf ein Post-It schreiben und unter die Schreibtischunterlage legen, man kann ihn nie vergessen – und ein Fremder kann ihn nicht erraten. Selbst einen „schlechten“ Fingerabdruck kann niemand machen – beim Passwort geht das, ebenso bei einer PIN: 1234.

Der menschliche Körper hat mehrere solcher einzigartigen (biometrischen) Merkmale zu bieten. Unsere Herzfrequenz ist unverkennbar, ebenso die Iris in unserem Auge. Ein japanischer Automobilhersteller erkennt mit Drucksensoren, wer seinen Allerwertesten gerade in den Sitz wuchtet – um dann den Sitz automatisch in Position zu fahren. Kann Biometrie endlich das Problem der Passwörter in den Griff kriegen? Sie wissen schon, die, die so unmöglich kryptisch aussehen sollen, die man nur bei einem einzigen System verwenden darf, nie aufschreiben soll und die man alle drei Monate ändern muss. Warum stellen eigentlich nicht alle eine Zugangsmöglichkeit per Fingerabdruck zur Verfügung? Wäre das nicht DIE Lösung aller Passwortprobleme?

Nein. Denn unser Fingerabdruck hat eklatante Schwächen, was die Sicherheit angeht. Wie oft können Sie Ihr Passwort ändern? Jederzeit, so oft Sie wollen. Wie oft können Sie Ihren Finger wechseln? Sehen Sie. Wenn jemand Ihr Passwort errät, dann können Sie es wechseln. Selbst wenn ein Angreifer ALLE jemals von Ihnen genutzten Kennwörter kennt, vergeben Sie einfach ein neues. Hat aber ein Hacker Abdrücke (oder Fotos) von Ihren zehn Fingern … dann ist für Sie das Thema Fingerabdruckscanner erledigt. Und zwar für immer, für den Rest Ihres Lebens.

Um dieses Manko zu beheben, haben Forscher nun Tests gemacht und herausgefunden, dass man den Fingerabdruck-Scanner auch mit anderen Körperteilen nutzen kann. Der Ellenbogen geht zwar nicht, aber die Zehen funktionieren prächtig. Sind schon mal zehn weitere Möglichkeiten. Männer haben sogar noch drei weitere. Kein Scherz! Die Tester schafften es, einen Laptop mit den Hautlinien auf dem Penis und der Hoden zu schützen und auch wieder zu entsperren. Sind weitere drei Möglichkeiten. Hier muss man jedoch erwähnen, dass dann das Entsperren des Smartphones etwas gewöhnungsbedürftig ist – besonders morgens im Bus auf dem Weg in die Arbeit.

4 Kommentare zu “Fingerhakeln

  1. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass die drei letztgenannten Maßnahmen einem veritablen Teil der Weltbevölkerung nicht zugänglich sind.

    Long Story Short: Biometrie funktioniert ausschließlich, wenn der Scanner unter Kontrolle der Einrichtung steht und möglichst keine Übertragung stattfindet, insb. da Biometrie aus der Ferne (vielleicht mit einem kleinen Fragezeichen bei Stimmerkennung) nicht gegen Replay-Angriffe geschützt werden kann. Bei einem (bewachten) RZ-Eingang mag es gehen, für Fernzugriffe sicher nicht.

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