Erst denken, dann klicken … oder wählen

Die meisten Viren gelangen immer noch auf den Rechner, weil irgendeiner auf was klickt, auf das er nicht klicken soll(te). Das machen so Typen wie Sie, ich, die Bäckereifachverkäuferin oder der Typ, der Ihnen im Bus gegenüber sitzt. Jedem kann das passieren. Nicht, dass wir es nicht besser wüssten, aber wir sind einfach viel zu oft im Stress. Und genau darauf spekulieren Hacker.

Alles gleich und jetzt

Denn: Unter Stress, in Hektik, denken wir nicht alles zu Ende. In Eile fallen uns Kleinigkeiten nicht auf. Wenn es hektisch wird, dann heißt es öfters mal: „Scheiß drauf, wird schon nichts passieren.“ Wir klicken dann auf Bewerbungsunterlagen in einer Mail, obwohl wir eigentlich gar keine offene Stelle ausgeschrieben haben. Wir klicken auf Anhänge in Mails (vermeintlich) von Menschen, die wir kennen, aber mit denen wir schon seit Jahren nichts mehr zu tun haben. Wir klicken auf Bilder, die aussehen wie Bilder, aber gar keine sind. Und wir klicken auf Links in Mails von Faceboook.com und merken nicht, dass man Facebook eigentlich nur mit zwei „o“s schreibt.

Erst denken, dann klicken

Altes Problem

Aber sind wir doch mal ehrlich. Nepper, Schlepper und Bauernfänger gab es schon immer, nur ist das Leben einfach viel schneller geworden und lässt uns gar keine Zeit mehr für den zweiten Blick. Den Schulterblick quasi. Wenn ich alleine schon sehe, wie durchgetaktet der Tagesablauf junger Menschen heute ist, dann wird mir echt schwindelig. Schule oder Uni, Sportverein, Musik- und Sprachunterricht. Dann müssen die an einem Vormittag zusätzlich auch noch locker mal 237 Snaps ansehen und 198 Instas bewerten. Dann noch die ganzen Facebook Likes und YouTube Daumen, die vielen witzigen Katzenvideos, Böhmermann Vids und 9GAG Slideshows. Da muss es dann halt schnell gehen, mit den Bewertungen – und auch dem Einschätzen, ob eine Mail gut oder böse ist.

Speed rausnehmen

Also bitte … nehmen wir uns doch ein wenig mehr Zeit. Nur ein, zwei Sekunden Pause und stoppen die Hektik in uns. Schauen wir uns erst mal an, was wir da alles anklicken. Erst Hirn einschalten, dann klicken. Und das gilt nicht nur im Internet. Auch bei Wahlen gilt das! Die Kreuzchen sind ja auch nichts anderes, als ein „Like“. Nächstes Jahr haben wir Bundestagswahl. Auch da gilt: Hingehen und erst Hirn einschalten, dann ankreuzen. Nicht, dass nachher wieder alle heulen und sagen: wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich anders abgestimmt. So, wie viele Briten nach dem Brexit – und vielleicht auch bald die Amis und die Italiener.


Bildnachweis: (c) Tobias Schrödel

2 Kommentare zu “Erst denken, dann klicken … oder wählen

  1. Wiedermal ein sehr gut geschriebener Artikel!
    Der erste Satz ist *DER* Satz, den ich den Leuten immer wieder versuche in den Kopf zu hämmern wenn sie wieder bei mir angeschlichen kommen wenn der PC „mal wieder“ verseucht ist.
    „Aber ich hab doch ein Antiviren-Programm intalliert“ kommt dann meist als Antwort.
    Und ich sag dann oft:
    ICH hab auch eines installiert – aber das hat die letzten Jahre wenig bis gar nichts zu tun gehabt ;-)
    Denn ICH bin mein bestes Antiviren-Programm!

    • Genau! Das ist auch das, was ich Firmen versuche zu erklären. Gut trainierte und wachsame Mitarbeiter – die ermutigt werden, die IT’ler anzurufen*, wenn ihnen etwas komisch vorkommt – sind die beste Firewall des Unternehmens.

      (* „Schau mal, was da steckt, gehört das da hin?“ < -> ohne ausgelacht zu werden, wenn es „nur“ der PS/2-USB-Adapter ist und kein KeyLogger)

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