Duftwasser

Im Jahr 1921 kam „Chanel No 5“ auf den Markt. Kein Duft wurde bis heute öfter verkauft, etwa alle 30 Sekunden geht irgendwo auf dieser Erde ein Flakon davon über die Ladentheke. 100ml dieser nach wachsigen Rosenblättern und Orangenschalen duftenden Überdosis dreier Aldehyde kosten im Durchschnitt etwa 140€. Ein Mittelklasse All-in-One-Drucker mit Fax, Kopierer und Scanner kostet im Elektronikfachhandel genau so viel.

Dass der Drucker eigentlich viel teurer sein müsste, ist bekannt. Die Hersteller subventionieren sie, weil sie beim Verkauf der Verbrauchsmaterialien verdienen: bei der Tinte. Und sie tun alles, damit wir möglichst teure Originaltinte kaufen.

In der Standardpatrone für meinen Drucker sind 8ml Tinte untergebracht. 8ml farbiges Wasser für die ich in einem muffigen Elektrofachmarkt bei einem unfreundlichen Verkäufer sage und schreibe 32 Euro bezahlt habe. 100ml kosten demnach rund 400€, was bedeutet, dass ich dafür etwa die dreifache Menge Parfüm bekommen hätte. Die Druckertinte kostet also fast Drei mal so viel wie „Chanel No 5“! Was sagt der Hersteller dazu?

HewlettPackard hat eine Broschüre herausgegeben, die – wenn man sie drucken würde – mindestens drei schwarze Tintenpatronen leeren würde. In „Die Wahrheit über Tinte“ (HP-True-Value-Booklet-Germany-low-res) schreibt HP, dass in den Medien der Tintenpreis schon mit Champagner oder Parfüm verglichen wurde, dieser Vergleich allerdings hinkt, denn – so steht dort: „Sie zahlen beim Kauf einer Tintenpatrone ja nicht den Preis für die Tinte, sondern für ein komplexes technisches Gesamtprodukt. Sowohl die Tintenrezeptur wie auch der Druckkopf sind das Ergebnis jahrelanger Forschung und Entwicklung und sorgfältigst aufeinander abgestimmt.“

Auch bei „Chanel No 5“ zahle ich nicht nur das Duftwasser, sondern bekomme sogar eine freundliche und hübsche Beratung in einem wohlriechenden Geschäft. Die Inhaltsstoffe von „Chanel No 5“ sind ebenfalls „sorgfältigst aufeinander abgestimmt“, das bestätigen Generationen von Frauen. Das ganze ist zudem verpackt in einer Patrone aus Glas und nicht aus billigem Plastik und letztendlich hat auch „Chanel No 5“ einen Druckkopf samt Düse. Oder dachte HP, dass man sich das Parfüm in die hohle Hand schüttet?

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