Diesen Artikel lesen und ein iPad gewinnen

Visitenkarte SchrödelWer etwas auf sich hält, hat eine Visitenkarte. Manche sind schlicht, andere extravagant mit Schnörkeln. Neben Name und Kontaktdaten findet sich dort meist auch die Abteilung und die Position, die jemand in seiner Firma bekleidet. Chief Executive Business Casper steht dann da – oder so was ähnliches.

Die Karten verteilt man hier und da und lässt sie in Meetings am Tisch auch schon mal rumreichen. Besonders inflatorisch gehen wir mit unseren Karten auf Messen um. Kaum steht an so einem durchsichtigen Plastikwürfel ein Zettel mit „Visitenkarte einwerfen & iPad gewinnen“ zücken selbst Menschen ihre Kärtchen, die von dieser Firma eigentlich gar nichts wollen – außer das iPad. Bei der Aussicht auf einen tollen Gewinn, schalten viele das Gehirn aus und geben Ihre Daten her – oder lesen unsinnige Texte wie diesen hier ;-)

Es gab mal einen Fall, da haben mehrere Mitarbeiter eines Unternehmens bei so einem Preisausschreiben mitgemacht und auch gewonnen. Alle jedoch den zweiten Preis. Da gab es dann leider kein iPad, aber zumindest einen USB-Stick mit richtig viel Speicherplatz drauf.

Virus robot USBTatsächlich hatte das „Preisausschreiben“ lediglich den Zweck an lohnenswerte Angriffspunkte für Industriespionage zu kommen. Die USB-Sticks hatten nämlich einen Virus, der Daten absaugen sollte. Die Losfee hat also mit Sicherheit nicht mit verbundenen Augen gezogen.

Es war offensichtlich, dass der Zusatz „Entwicklungsabteilung“ auf den Visitenkarten einige Teilnehmer als lohnendes Ziel brandmarkte. Manch sicherheitsbewusste Firma verzichtet daher auf Abteilungsnamen und lässt die Pappkärtchen nur mit den reinen Kontaktdaten beschriften – ganz ohne Hintergrundinformationen.

Im 18. Jahrhundert hingegen hatten Visitenkarten noch einen ganz anderen Zweck. Wenn ein Reisender vor dem Tor stand und ein Empfehlungsschreiben vorweisen konnte, wie sollte man prüfen, ob es wirklich der Gesandte des befreundeten Fürsten war – oder ein Bandit, der das Empfehlungsschreiben nur gestohlen hatte? Die Königreiche und Fürstentümer brachten daher geheime Zeichen auf den damals noch handgemalten Namenskärtchen an.

Die Farbe des Papiers gibt dabei Auskunft über die Nationalität des Reisenden, freundliche Gesichtszüge werden durch eine Sonnenblume symbolisiert. Die Form der Einfassung auf der Karte bestimmt das Alter und die Statur des Reisenden. Eine Muschel signalisiert zudem, dass der Überbringer der Karte Perückenträger ist. Sind die Linien der Einfassung weit auseinander, erwartet man zudem eine groß gewachsene Person. Stand mit dieser Visitenkarte nun aber ein kleiner Mann mit kantigem Gesicht und glattem Eigenhaar vor dem Tor, dann konnte der Kerkermeister schon mal getrost eine Zelle vorbereiten.



Visitenkarte des EsquireDeGrayEsquire de Gray ist Engländer (gelbes Papier), 35 Jahre alt (ovale Einfassung), groß von Person (Einfassungslinien stehen weit auseinander), ist sehr schön gewachsen (wellenförmige Linien der Einfassung) und hat ein schönes aber ernsthaftes Gesicht (Tulpen oben). Er ist verheiratet (Band um die Einfassung), sehr reich (zwölf Knöpfe an der Einfassung) und trägt Perücke (Muschel hinter den Tulpen).

 

 

Visitenkarte des Alphons D'AngehaAlphons d’Angeha ist Portugiese (weißes Papier), unter 45 Jahre alt (achteckige Einfassung), groß aber schlecht gewachsen (gerade und weit auseinanderstehende Einfassung), mittelmäßig schön und freundlich (Sonnenblume) und trägt eigenes Haar (keine Muschel). Auch er ist verheiratet (Band um die Einfassung) und zumindest nicht arm (5 Knöpfe an der Einfassung).

beschreibungDer Graf von Vergènnes diente unter dem französischen König Louis XVI (1754-1793) als Chef der Geheimpolizei. Er entwickelte eine Geheimschrift, die er den französischen diplomatischen Mitarbeitern empfahl.

Sie sollten Empfehlungsschreiben mit diesen geheimen Merkmalen versehen, wenn ausländische Gesandte an den französischen Hof kommen wollten.

So konnte deren Identität überprüft werden und ihre Besuchsabsicht war erkennbar.


Bilder aus dem Buch „Kryptographik“ von D. Joh. Ludwig Klüber, Tübingen 1809

2 Kommentare zu “Diesen Artikel lesen und ein iPad gewinnen

  1. Hallo Tobias,

    ich erhalte schon seit einiger Zeit Deinen regelmäßigen Newsletter und ich muss sagen, er ist jedesmal Spitze. Klasse wie Du das immer auf den Punkt bekommst. Mach weiter so ….
    Vielleicht gibt es ja mal gemeinsame Projekte.
    Gruss
    Ralf

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