Der Sprücheklopfer


Vor fast zehn Jahren faszinierte mich ein kleines Programm im Internet, welches managementtaugliche Sprüche auf Knopfdruck generieren konnte: der Spruchklopfomat von Achim Schwarze (zu finden nur noch auf den Seiten von M.Pöhm). Da kamen dann so Sachen raus wie: „Wir diversifizieren unsere wesentlichen Innovationen, um die Marktdurchdringung der verbindlichen Leistungspotentiale zu intensivieren.“ Sätze also, die supertoll und für Manager auch irgendwie vertraut klingen – die aber überhaupt keinen Sinn ergeben.

Ganz ähnlich muss sich gerade James Comey fühlen, der Chef des FBI. Google und Apple haben nämlich für Ihre Smartphone Betriebssysteme Android und iOS angekündigt, dass grundlegende Verschlüsselungen auf den Geräten für mehr Datenschutz sorgen sollen. Wegen dieser Smartphone-Verschlüsselung kann das FBI Daten zwar auslesen – Verstehen geht aber nicht mehr. Es kommt nur unsinniger Kauderwelsch heraus. Fast so wie beim Spruchklopfomat.

Dass diese Grundverschlüsselung offenbar ganz gut funktioniert, sieht man daran, dass der FBI-Boss sich in den Medien darüber beklagt, dass Kriminelle jetzt nicht mehr überwacht werden können und so „über dem Gesetz stehen“. Es sei geradezu ungeheuerlich, dass amerikanische Unternehmen mit dem Datenschutz auch noch werben und Verbrechern so „ein Haus bereitgestellt werde, das nicht durchsucht werden kann.“ Ich halte es da eher mit dem deutschen Juristen Ludwig Klüber der bereits 1809 schrieb: „Soll man keinen Wein anbauen, nur weil sich manche daran berauschen?“

Als FBI Chef Comey letzte Woche selbst ein neues, unlesbares iPhone bekommen hat, hat er es vor lauter Wut gleich verbogen, und löste damit den nächsten Skandal aus. Bendgate – verbogene iPhones der sechsten Generation. Die Welt ist schon komisch, oder? Der eine ärgert sich darüber, dass Menschen ihr Recht auf Privatsphäre nutzen und andere wundern sich darüber, dass sich eine weniger als einen Millimeter dünne, aus weichem Aluminium bestehende Platte verbiegt, wenn man sich draufsetzt oder gaaaanz fest drückt.

Aber keine Angst: Ich arbeite mit Hochdruck daran, unsere anspruchsvollen Konzeptionen zu realisieren, um den Mehrwert der spezifischen Win-Win-Situationen zu potenzieren. Oder anders gesagt: Sprücheklopfen, damit diese Welt wenigstens unterhaltsam bleibt.

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