Bitte nicht füttern

Im Zoo war das Füttern der Tiere ja schon immer verboten. Das gilt auch im Internet. Wie das zusammenhängt? Stellen Sie sich vor, Sie haben unangenehme Nachbarn. Nachbarn, die jeden Abend ab 22:00 die Musik laut aufdrehen, die ihren Müll im Gang abladen, die nie die Treppe putzen wenn sie dran sind und die alle Fahrradständer mit unbenutzbaren Schrotträdern blockieren. Nachbarn, die Sie permanent beschimpfen, wenn sie Sie sehen. Jede Diskussion um das „Warum?“ wird mit immer heftigeren Beleidigungen quittiert. Irgendwann werden Sie umziehen – garantiert.

Solche „Nachbarn“ nennt man im Internet „Trolle„. Sie vergiften absichtlich die Atmosphäre bei Chats und in Diskussionsforen, indem Sie provozieren und beleidigen. Manche machen sich einen „Spaß“ daraus, im Justin-Bieber-Fanforum über dessen Frisur zu schimpfen. Tausende pubertierende Mädchen sind völlig entsetzt und so beleidigt, dass ihnen sogar der Draht der Zahnspange rostet. Mit diversen falschen Accounts ausgestattet, gibt der Troll seinen eigenen Hetztiraden auch noch Recht. Die Biber-Fans sind wochenlang damit beschäftigt, die Provokationen zu beantworten – und genervt. Auch in den Kommentarfunktionen bei t-online.de oder bild.de trifft man solche Provokateure regelmäßig an.

Der russische Präsident Putin bezahlt sogar rund 400 Trolle, die in der „Agentur zur Erforschung des Internets“ … nun ja … „arbeiten“. Sie überfluten von dort selbst deutschsprachige Seiten wie zeitonline.de, spiegel.de oder sueddeutsche.de mit prorussischer Propaganda. Manche Webseiten sahen sich teilweise genötigt, die Kommentarfunktion abzuschalten. Letzte Woche war der neue Instagram-Account der Bundeskanzlerin das Ziel und die Merkel’sche Social-Media-Truppe mit dem Löschen kyrillischer Kommentare überlastet.

Ist man hingegen lediglich Betreiber eines Internetforums für Popstars oder Pferdefreunde, dann sind die Spaßvögel das eigentliche Problem. Normale User „ziehen genervt um“ und nutzen andere Foren. Denn auch das zeitintensive Löschen der Accounts verhindert nicht, dass der Troll sich sofort unter einem anderen Benutzernamen erneut anmeldet – und weitermacht.

Troll_nicht_fuettern_pinkLaut einer kanadischen Studie sind die Menschen hinter diesen Aktivitäten oft sadistisch veranlagt und brauchen die Reaktionen auf ihre Provokation wie Nahrung. Daher raten die Experten: Gib dem Affen bloß keinen Zucker – also gar nicht erst antworten.

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Nachtrag am 20.08.2015: heise.de schreibt Russische Aktivistin outet Putins Troll Fabrik

Bildnachweis: wikipedia by user Simplicius

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