Big Data – Bad Cop

Bereits vor einiger Zeit habe ich kurz über ein Programm der Polizei berichtet, welches anhand von vielen Daten (Big Data) ziemlich gut vorhersagen kann, wann wo eingebrochen wird.

Aufgrund Pickpocket trying to steal a walletvon bereits begangenen Straftaten und Detailinformationen wie „exakter Lage“, „wo fand der Einbruch davor und der darauf folgende statt“, „welchen zeitlichen Abstand hatten die Taten“ und ähnlichen Werten lässt sich eine Wahrscheinlichkeit für Stadtteile berechnen, wann sie „dran sind“. Verstärkte Polizeipräsenz sorgt in diesen Gegenden nun seit Nutzung von Precobs für weniger Einbrüche und vermehrte Festnahmen.

Nun haben die Amis ja gar keine Schmerzgrenze, was das Gegenteil von Datenschutz betrifft. Sie haben das System quasi erweitert. In Fresno – das liegt in Kalifornien – möchten die Behörden gar nicht wissen, wo bald eine Straftat begangen werden könnte. Sie wollen vorhersagen, wer diese Straftat begeht. Werden Polizeibeamte zu einem Notfall gerufen, bekommen Sie von einem Programm namens „Beware“ in Grün, Gelb oder Rot angezeigt, ob Ihnen dort selbst Gefahr droht. Aufgrund von vielen, im öffentlichen Netz auffindbaren Daten wird ein Score berechnet. Grundlage zur Berechnung dieses Risikowertes sind Informationen, was der Anrufer auf twitter und Facebook geschrieben hat und ob Schlüsselworte in seinen Aussagen vorkommen, die andere Straftäter auch schon mal verwendet haben. Weiterhin wird erfasst, welche Computerspiele (Ego-Shooter oder Schach) der Anrufer spielt, was er online bestellt hat, wer alles in dem Haus wohnt, wer die Nachbarn sind und ob diese schon mal straffällig wurden.

Das alles ist in Deutschland wohl nicht mal in Gedanken erlaubt. Bei der offiziellen Vorstellung von „Beware“ wurde Fresnos Stadtrat Clinton Olivier zwar als unbedenklich (Grün) eingestuft, seine Wohnadresse aber nicht (Gelb). „Vermutlich wegen einer Person, die früher einmal dort gewohnt hat“, war die lapidare Antwort des Polizeichefs. Es stellt sich aber auch die Frage, ob die – völlig zu Recht – auf Eigenschutz bedachten Polizisten den Finger nicht etwas schneller am Abzug haben, wenn „Beware“ eine Adresse mit Rot oder Gelb markiert – eventuell wegen einer Person, die früher einmal dort gewohnt hat. Der Polizeichef erklärte nämlich nicht, wie lange zurückliegende Vorfälle mitgerechnet werden. Eine derartige Markierung wäre bei meinem Wohnort daher gar nicht verwunderlich, weil bei mir in München, gleich um die Ecke, schon mal ein terroristischer Anschlag mit Todesfolge stattgefunden hat. 1972, bei den Olympischen Spielen.


Bildnachweis: Fotolia – (c) Ljupco Smokovski

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