Bayerische Wortwahl

Der Pressesprecher des Münchner Polizeipräsidiums, Marcus da Gloria Martins, wurde im Juli 2016 über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt berühmt, als er während des schrecklichen Amoklaufs bei McDonalds am OEZ stets ruhig, sachlich und besonnen blieb. In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ sagte er kürzlich, dass er überzeugt ist, „dass der überwiegende Teil derer, die heute soziale Medien benutzen, (…), für dieses Medium noch nicht bereit ist„. Da Gloria Martins spricht damit insbesondere die Münchner an, die in der Amoknacht auf Twitter & Co. Gerüchte gestreut und weitergeleitet haben.

Die Polizei fordert seitdem unablässig insbesondere junge Menschen dazu auf, keine Aufnahmen von Polizeieinsätzen oder Tatorten zu veröffentlichen – weder auf Twitter, Facebook und schon gar nicht als Livestream über Periscope & Co. Einerseits werden dem oder den Tätern so taktische Informationen über den Polizeieinsatz mitgeteilt. Andererseits geht es darum, auch die Opfer zu schützen und sie nicht in hilfloser Situation zu zeigen. Und tatsächlich scheint dies bei dem Berliner LKW-Attentat bereits Früchte getragen zu haben. Es waren fast keine Handy-Aufnahmen von Opfern im TV zu sehen. Nur eines und das zeigte ein 24h-Nachrichtensender auch noch fast in Dauerschleife. Hat gegen den Filmer eigentlich schon ein Staatsanwalt wegen unterlassener Hilfeleistung ermittelt, nachdem der da fröhlich filmend zwischen Verletzten und Toten umherlief? Wenn nicht, dann wird’s Zeit.

Einzelne Worte machen den Unterschied

Marcus da Gloria Martins meint aber nicht nur Videos. Auch Textnachrichten müssen überdacht werden. In Extremsituationen werde aus einem Gerücht ganz schnell eine (vermeintliche) Wahrheit, was in Panik mit Verletzten enden kann. In München wurden SEK-Kräfte abgezogen und von OEZ zum Stachus geschickt, weil dort angeblich auch Schüsse gefallen sind. Da hat sich ein Twitter-Gerücht verselbständigt. Es kommt oft auf einzelne Worte an, wohlwissend, dass einzelne Worte wie „könnte“, „hätte“ und „eventuell“ schnell überlesen werden. Was der Pressesprecher der Münchner Polizei anmahnt, ist die bedachte Wahl von Worten – insbesondere bei, aber sicherlich auch nach Attentaten.

Bayern mal wieder ganz vorne mit dabei

Der Freistaat Bayern könnte sich da übrigens eine große Scheibe abschneiden. 2016 war eh schon schlimm genug mit Gewalttaten und Attentaten, die man in dieser Form noch nicht kannte. Trotzdem setzt man beim Bau des nunmehr dritten Erinnerungsortes an das Attentat der Olympischen Spiele von 1972 der Alliteration unseres Fußballstadions noch eines drauf. Nach der „Double-A“, der Allianz-Arena, baut der Freistaat Bayern laut Bautafel – und das ist leider kein Scherz – im Olympiapark München gerade das „Triple-M“, das „MMM“ – das „Munich Massacre Memorial `72“. Unfassbar.

Abstruser Text auf Bautafel - nicht soziale Medien


Bildnachweis: (c) Tobias Schrödel

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